75 Jahre Opel Super 6 und Admiral

Opel Admiral

Opel Admiral (© GM Company)

1.3.2012 Rüsselsheim. Im Februar 1937 stellt Opel auf der Berliner Automobil- und Motorradausstellung zwei neue Modelle mit wegweisender Technik vor: Super 6 und Admiral. Beide Typen sind mit fortschrittlicher Motoren-Technologie ausgerüstet. Der als Vertreter der oberen Mittelklasse konzipierte Super 6 verfügt über einen laufruhigen 2,5 Liter-Reihensechszylinder mit 55 PS, das Oberklasse-Modell Admiral besitzt einen drehmomentstarken Sechszylinder mit 3,6 Litern Hubraum und 75 PS. Kennzeichnend für beide Triebwerke ist die moderne ohv (over-head-valve)-Steuerung mit hängenden Ventilen, die im Falle von Super 6 und Admiral über eine stirnradgetriebene Nockenwelle betätigt werden.

Den pünktlich zum 75. Opel-Firmenjubiläum präsentierten Modellen steht eine große Zukunft bevor. Der Super 6 bereitet den Weg für den populären Opel Kapitän von 1938, mit modern konstruiertem 2,5 Liter-Motor. Mit dem großen Admiral meldet sich das Unternehmen in der Oberklasse zurück und begründet die Linie der neuen Luxusmodelle aus Rüsselsheim.

„Stark der Motor, formschön die Linie“

Mit dem Super 6 führt das Unternehmen zum ersten Mal einen Motor mit hängenden Ventilen in das Modellprogramm der Großserie ein. Betätigt werden die Ventile über eine stirnradgetriebene Nockenwelle, Stößelstangen und Kipphebel. Der kurzhubige 2,5 Liter-Sechszylinder-Reihenmotor leistet 55 PS und beschleunigt den Super 6 auf eine Höchstgeschwindigkeit von 117 km/h. Von größerer Bedeutung ist die Dauergeschwindigkeit von 100 km/ – ein „autobahnfester“ Antrieb gilt in Zeiten des wachsenden deutschen Autobahnnetzes als Qualitätsmerkmal modernem Fahrzeugbaus. Das für hohe Drehzahlfestigkeit ausgelegte Triebwerk glänzt mit hohem Drehmoment, seidenweichem Lauf und, gemäß des Leitspruchs „Opel, der Zuverlässige“, vorbildlicher Standfestigkeit. „Vorzüge, die bisher meist kostspieligen Sport- und Hochleistungsmaschinen vorbehalten blieben, werden nunmehr mit dem Opel Super 6 auch den Käufern einer mittleren Preisklasse zur Verfügung gestellt“, fasst der Katalog das technische Alleinstellungsmerkmal des neuen Super 6 zusammen.
Das leistungsstarke Triebwerk prädestiniert den Super 6 für den Einsatz im Motorsport: Auf Basis des Super 6 entstehen speziell vorbereitete, 65 PS starke Gelände-Sportwagen, die den Geländesport dominieren und bei Langstreckenprüfungen wie der „Internationalen Deutschen Alpenfahrt“ zahlreiche Siege erringen.

Ab Werk steht eine viertürige Limousine und eine Cabriolet-Version zur Wahl, ab 1938 ist auch eine zweitürige Limousine erhältlich. Im Gegensatz zum 1935 präsentierten Opel Olympia mit selbstragender Karosserie findet beim Super 6 auch weiterhin die klassische Bauweise mit Kastenrahmen und separatem Aufbau Verwendung. Dies kommt Karosseriebauern wie Hebmüller, Autenrieth, Buhne oder Gläser entgegen, die für den Super 6 elegante, maßgeschneiderte Roadster- und Cabriolet-Kleider entwerfen. „Stark der Motor, formschön die Linie“, heißt es folgerichtig in der Werbung für den neuen Super 6.

Mit dem Super 6 baut Opel seinen Vorsprung in der Sechszylinder-Klasse weiter aus und festigt seine Position als größter Automobil-Hersteller Europas. Bis zur Vorstellung des Nachfolgers Kapitän im Jahr 1938 werden 46.453 Einheiten des Super 6 produziert.

„Schönheit und Kraft, zu hoher Vollkommenheit vereint“

Zeitgleich mit dem Mittelklasse-Modell Super 6 debütiert das neue Luxusmodell des Unternehmens, der Opel Admiral. Das neue Flaggschiff zeichnet sich durch sein opulentes Design und Innenraum-Styling aus und wird von der aktuellen Mode der Stromlinie und Art Déco bestimmt. Mit dem Oberklasse-Modell, das erstmals den Namen „Admiral“ trägt, krönt Opel sein Modellprogramm und bietet neben der eleganten, 6500 RM teuren Limousine auch ein viertüriges Cabriolet zum Preis von 7000 Mark an. Wie beim Super 6 baut die Karosserie auf einem verwindungssteifen Rahmen auf und ermöglicht es Karosseriebauern, eigene Entwürfe umzusetzen.

Für Fahrkomfort auf hohem Niveau sorgen einzeln aufgehängte („unabhängig gefederte“) Vorderräder, „Opel-Synchron-Federung“ genannt, hydraulische Stoßdämpfer und Stabilisatoren. Die Banjo-Hinterachse verfügt über Halbelliptiklängsfedern und hat ebenfalls hydraulische Stoßdämpfer. Als Antrieb dient ein Reihensechszylinder mit 3,6 Litern Hubraum und 75 PS. Auch das ohv-Aggregat des Admiral ist hohen Dauerbelastungen gewachsen: neben einer Spitze von 132 km/h werden 110 bis 115 km/h als Autobahn-Dauergeschwindigkeit angegeben. „Schönheit und Kraft, zu hoher Vollkommenheit vereint“, formuliert es der künstlerisch gestaltete Prospekt.

Das Triebwerk des Admiral kommt auch im Opel Blitz zum Einsatz. Damit ist der Dreitonner-Blitz der am exklusivsten motorisierte Lkw seiner Zeit und bald auch der einzige Opel mit großem ohv-Reihensechszylinder. Nach 6404 Fahrzeugen wird kriegsbedingt die Fertigung des Admiral im Oktober 1939 eingestellt.

Den mit den Typen Super 6 und Admiral begonnenen Aufbruch in die Oberklasse setzen nach dem Krieg die Modelle Kapitän und Admiral fort. 1948 verlässt der erste Nachkriegs-Kapitän das Werk. Erst im Frühjahr 1970 endet mit dem Kapitän B die Fertigung des erfolgreichen Super 6-Nachfolgers. Der Opel Admiral, 1964 erstmals nach 1939 neu aufgelegt und als repräsentativer Großwagen in der Tradition des Vorgängers stehend, bleibt bis 1977 in Produktion.

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