“auto mobil – Das VOX Automagazin” 16.6.2013

Jun
16
17:00

“auto mobil – Das VOX Automagazin” am Sonntag, 16.6.2013, um 17:00 Uhr bei VOX

Reportage: Bedientest:

Moderne Autos werden technisch immer aufwändiger und komplizierter. Leider spiegelt sich das auch in der Bedienung wider. Obwohl die Autohersteller vom Ideal der intuitiven Bedienung sprechen, sind ihre Produkte in der Realität oft weit davon entfernt. Wir haben vier Fahrzeuge mit völlig unterschiedlichen Bedienkonzepten getestet. Das heißt: Mehrere Probanden mussten in den Autos eine Reihe alltäglicher, aber auch ungewöhnlicher Aufgaben bewältigen. Ob ihnen das gelingt?

Unfallakte – LKW-Geisterfahrer bei Stuhr:

Horror-Crash auf der A 1: Zwei Tote, mehrere Verletzte – das ist die Bilanz eines grauenvollen Unfalls am Neujahrsabend bei Stuhr. Ein lettischer Lkw-Fahrer, der mit mindestens 2,3 Promille hinter dem Lenkrad saß, benutzte eine Ausfahrt als Auffahrt und wurde so zum Geisterfahrer.
Als der 47-Jährige seinen Fehler bemerkte, versuchte er, auf der dreispurigen Autobahn den Truck zu wenden. Die Folge war ein verheerender Massenunfall mit neun beteiligten Autos. Am Ende flüchtete der betrunkene Lkw-Fahrer, Polizeibeamte konnten ihn jedoch 25 Kilometer weiter stellen.

“auto mobil” analysiert den schweren Geisterfahrer-Unfall mit Hilfe einer aufwendigen 3-D-Animation und geht dabei der Frage nach, ob osteuropäische Lkw-Fahrer aufgrund ihres Trinkverhaltens ein besonderes Sicherheitsrisiko darstellen. “Es gibt Auffälligkeiten von Osteuropäern, die vor allem dann auftreten, wenn Lkw mehrere Tage an einem Rasthof gestanden haben und sonntagsabends wieder auf die Autobahn gehen”, beschreibt Polizeihauptkommissar Knut Nagel von der Autobahnpolizei im niedersächsischen Sittensen. “Immer wieder stellen wir fest, dass Fahrer dann aus Langeweile trinken und sich hinterher alkoholisiert hinters Lenkrad setzen.”

Tatsächlich war dies auch die Ausgangssituation für den Unfall auf der A 1. Der lettische Fahrer war mit Tiefkühlfracht auf dem Rückweg von England. Samstags und sonntags galt das gesetzliche Fahrverbot, Silvester-Montag und Neujahr ebenfalls. Der Fahrer hat also vier Tage lang festgesessen und war frustriert. Dies jedenfalls räumte er auch beim Prozess vor dem Amtsgericht in Syke ein, dass ihn vor wenigen Tagen zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilte. Außerdem verhängte das Gericht gegen ihn ein lebenslängliches Fahrverbot auf deutschen Straßen! Grundsätzlich ist es sogar möglich, dass der Lkw-Fahrer zum Zeitpunkt des Unfalls 2,8 Promille im Blut hatte!

Woher aber haben die Fahrer den Alkohol? Entweder bringen sie ihn von zuhause mit oder decken sich an den Supermärkten in der Nähe von Autohöfen damit ein. “Noch vor zehn Jahren haben wir 80 Prozent alkoholische Getränke verkauft und 20 Prozent alkoholfreie Getränke. Heute ist es genau umgekehrt”, sagt Bernhard Kreutzmann vom Autohof “Oldenburger Münsterland”. “Wir hatten hier aber auch schon Osteuropäer, die von dem Fünf-Euro-Gutschein für die Benutzung des Parkplatzes Wodka kaufen wollten.” Ist Alkohol am Steuer ein besonderes Problem unter osteuropäischen Fahrern? “Die Dunkelziffer ist hoch”, erklärt Knut Nagel von der Autobahnpolizei Sittensen. “Wenn wir sie anhalten und zapfen, bewegen sich die Blutalkoholwerte meistens zwischen zwei und drei Promille. Vor allem der Genuss harter Getränke fällt auf.”

“Ursache ist die Trinkkultur. Folge ist, dass wenige Schlucke genügen, um nicht mehr fahren zu dürfen”, beschreibt Dr. Christian Monschau, Psychologe bei der Dekra in Vechta. Wie aber kann man sich so extrem alkoholisiert hinters Lenkrad setzen? Monschau: “Wer so viel Wodka getrunken hat, der realisiert gar nichts mehr. Weder seinen eigenen Zustand, noch welche Folgen der Alkohol haben kann.” Spätestens aber die Feststellung, als Geisterfahrer unterwegs zu sein, das Wendemanöver bzw. der Moment der Kollision mit den Autos, dürfte den lettischen Lkw-Fahrer wachgerüttelt haben. “Da dürfte in seinem Blut sogar mehr Adrenalin als Alkohol gewesen sein”, meint der Gutachter für Fahreignung. Dies ist für Monschau auch eine plausible Erklärung, weshalb der volltrunkene Lette flüchtete.

Nach dem Unfall hat Abschlepp-Unternehmer Günther Bormann aus Bremen den beteiligten Kühlzug aus Lettland sichergestellt. Die Kabine des Actros roch noch auffällig nach Alkohol. “Ich habe eine leere Flasche Wodka gefunden, eine andere war noch halb voll”, berichtet Bormann. Interviewt wurden auch Einsatzleiter Eric Hormann von der Feuerwehr in Harpstedt und Helmut Brack, der als Bruder und Schwager des getöteten Ehepaares das Geschehene einfach nicht begreifen kann: “Wie kann man sich nur volltrunken hinter das Lenkrad eines Lkw setzen, wenn man weiß, dass man noch hunderte Kilometer zu fahren hat?”

“auto mobil – Das VOX Automagazin” am Sonntag, 16.6.2013, um 17:00 Uhr bei VOX

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