Die Porsche-Geschichte: 1950

29.2.2016. Jede Geschichte ist die Summe einzelner Momente. Große Geschichten sind die Summe großer Momente. So wie die Geschichte von Porsche. Schlüsselmoment 4: 1950: Der Moment des Perfektionisten.

Seit Jahrzehnten schon liefert Ferdinand Porsche höchste Ingenieurskunst, brillante Ideen und geniale Konstruktionen. Für Zündapp, NSU, Volkswagen, Daimler-Benz und viele weitere Unternehmen ersinnt er einzelne Bauteile und ganze Fahrzeuge, vom Kleinwagen bis zur Limousine. Nur eines gibt es nicht: ein Fahrzeug, dessen Haube der Name seines Konstrukteurs ziert. 1948 dann endlich das erste Auto unter dem offiziellen Label „Porsche“. Allerdings kommt der Porsche 356 zunächst nicht aus Zuffenhausen, sondern aus Österreich. Kriegsbedingt hatte Porsche das Konstruktionsbüro 1944 von Stuttgart nach Gmünd in Kärnten verlegt.

53 Fahrzeuge werden in Gmünd gefertigt. 1949 kehren Ferdinand Porsche und sein Sohn Ferry endlich wieder nach Zuffenhausen zurück. Die Finanzierung eines Vollwerks liegt jedoch in weiter Ferne – erst langsam tröpfeln aus Wolfsburg die ersten Raten der Lizenzgebühren für den Volkswagen ein. Da das Porsche-Stammwerk zudem vom amerikanischen Militär besetzt ist, beschließt Porsche die Kooperation mit einem alten Bekannten: dem Karosseriewerk Reutter, der ebenfalls in Zuffenhausen sitzt. Die stählernen Hüllen des 356 sollen dort im Auftrag gefertigt werden; Reutter hat sowohl das Know-how als auch die Infrastruktur, um die elegant geschwungenen Teile für Coupé und Cabriolet zu fertigen und zu montieren.
Sportlich, elegant – und perfekt symmetrisch

An einem Märzmorgen im Jahr 1950 ist es dann soweit: Abnahme der ersten Zuffenhausener Porsche-Karosserie. Die unlackierte Rohkarosse steht bereit; für den wichtigen Termin haben die Reutter-Mechaniker Räder anmontiert und den 356 in den Betriebshof gerollt. Gemeinsam mit Ferry Porsche und dem Karosseriekonstrukteur Erwin Komenda kommt Professor Ferdinand Porsche in den Hof. Lange betrachtet er die Karosserie. Mehrmals geht er um das Auto, beschaut sich ausgiebig jede Seite des 356 – ohne ein Wort zu verlieren. Er nimmt auf einem Hocker Platz, direkt vor der Fronthaube. Ist Porsche zufrieden? Ist er stolz, freut er sich, wird er anerkennend nicken? Was wird er sagen? „Der Wagen muss zurück in die Werkstatt“, brummt Porsche knapp. „Die Karosserie stimmt nicht. Sie ist nicht symmetrisch!“

Und tatsächlich: Die Karosserie des 356 ist um zwanzig Millimeter nach rechts verschoben. Die Mechaniker bessern nach. Sicher, Ferdinand Porsche ist bekannt für seine direkte, manchmal ruppige Art, wie dieser Moment im Reutterschen Betriebshof zeigt. Aber auch für seinen Perfektionismus, seinen unbedingten Willen zu Präzision und höchster Qualität. Noch heute gilt bei Porsche dieser Grundsatz, tief verwurzelt in der Firmentradition. Schon früh weiß die Kundschaft das zu schätzen: Bis Ende 1950 rollen insgesamt 317 nagelneue Porsche 356 durch die Zuffenhausener Werkstore. Sportlich, elegant – und perfekt symmetrisch.

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