Gestern wäre Adam Opel 175 Jahre alt geworden

Adam Opel

Adam Opel (© GM Company)

10.5.2012 Rüsselsheim. 2012 ist für Opel ein geschichtsträchtiges Datum. Neben dem 150-jährigen Firmenjubiläum feiert auch der Firmengründer Adam Opel einen runden Geburtstag. Der gebürtige Rüsselsheimer wäre gestern 175 Jahre alt geworden. Sein sicheres Gespür für die Marktchancen von Nähmaschine und Fahrrad, deren Weiterentwicklung, die Fertigungs-Perfektionierung und die konsequente Vermarktung machten ihn zu einem der bedeutendsten deutschen Unternehmer, nicht zuletzt dadurch, dass er die neuen und exklusiven Produkte einer breiten Masse zugänglich machte.

Im Spätherbst 1835 sucht das Marktstädtchen Rüsselsheim per Ausschreibung einen „tüchtigen Schlossermeister“. Den Zuschlag erhält Philipp Wilhelm Opel aus dem rheinland-pfälzischen Dachsenhausen. Damit ist der Grundstein für die Verbindung der Familie Opel zur Stadt Rüsselsheim gelegt. Zwei Jahre später, am 9. Mai 1837, wird Adam als ältester Sohn des neuen Schlossermeisters geboren.

Als Kind der frühindustriellen Zeit übt die moderne Technik auf Adam Opel eine enorme Anziehungskraft aus. Vor allem die Metropole Paris als Hochburg der Aufklärung und als geistiges Zentrum Europas fasziniert ihn. Nach der Lehre im elterlichen Betrieb begibt sich der Opel-Sprössling auf Wanderschaft. Über Köln, Lüttich und Brüssel kommt der gerade 21-jährige im Mai 1858 in der bereits eine Million Einwohner zählenden Stadt an. Eine völlig neue Welt: Gasbeleuchtung macht die Nacht zum Tag, Lokomotiven und Telegraphen signalisieren eindeutig eine neue Ära. Nach seiner Ankunft in Frankreich fängt er in der Nähmaschinenfabrik „Journeaux et Lebland“ in der Rue d’Arcole, einer der bedeutendsten Nähmaschinenhersteller in Paris an. Nach drei Jahren verlässt er die französische Hauptstadt und nimmt die neue Technik mit nach Deutschland.

Zurück in Rüsselsheim muss er im elterlichen Betrieb mitarbeiten. Die Idee, Nähmaschinen zu bauen, stößt in der Opel-Familie auf wenig Gegenliebe. Dem Unmut seines Vaters zum Trotz beginnt Adam in mühevoller Nachtarbeit seine erste Nähmaschine herzustellen. Sechs Monate braucht er, bis alle mechanischen Probleme gelöst und die richtigen Teile vor Ort sind. Neben den ganz praktischen Problemen kämpft er auch gegen den Widerstand in der Gesellschaft. Vor allem Schneider fürchten um ihren Arbeitsplatz. Beim Versuch sein zweites Nähmaschinenexemplar über den Main zu bringen und es in Flörsheim zu verkaufen, wird er von wütenden Schneidergesellen am gegenüberliegenden Ufer mit einem Steinhagel empfangen. Er kehrt zwar unverrichteter Dinge nach Rüsselsheim zurück, lässt sich aber nicht von seinem Vorhaben abbringen. Die Erfolgsgeschichte der Opel-Nähmaschinen nimmt ihren Lauf.

In den 1880er Jahren widmet sich Adam Opel zusätzlich der Fahrradproduktion. Zunächst steht er dem neu erfundenen Hochrad skeptisch gegenüber, auch weil er bei einem ersten Fahrversuch in Paris stürzt. Als er jedoch sieht, welchen Preis der Verkauf eines Rads erzielt, ist die Neugierde des erfahrenen Kaufmanns dann doch geweckt. Im Jahr 1886 verlässt das erste Fahrrad dann die Rüsselsheimer Produktionshallen. Ein Jahr später werden bereits neun Hochrad-Modelle gebaut, die so klangvolle Namen tragen, wie „Rhenania“, „Merkur“ oder „Viktoria“. Vor allem in der Entwicklung vom Hoch- zum Niederrad und der dadurch erleichterten Handhabung sieht der Unternehmer Opel großes Marktpotenzial. Nicht zuletzt durch die vielen Rennerfolge der fünf Söhne Adams mit dem Niederrad „Blitz“ 1889/90 wird das Unternehmen zu einem der weltweit größten Fahrradhersteller.

Nach seinem Tod am 8. September 1895 führen Ehefrau Sophie und die fünf gemeinsamen Söhne das erfolgreiche Familienunternehmen weiter und modernisieren zunächst die Nähmaschinenproduktion. Am Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt die Familie zusätzlich zum Fahrradgeschäft einen weiteren Industriezweig, der unmittelbar mit dem steigenden Bedürfnis nach Mobilität zusammenhängt: den Automobilbau. Vier Jahre nach dem Tod des Firmengründers beginnt in Rüsselsheim das Zeitalter des Automobilbaus. Was aus den – vom alten Adam eher kritisch beäugten – „Motorkutschen“ 150 Jahre nach seinem unternehmerischen Start geworden ist, hätten den aufgeschlossenen Geschäftsmann überrascht.

WERBUNG: