Volkswagen und Porsche verschmelzen

Beschleunigtes Integrationsmodell ermöglicht Zusammenführung des Automobilgeschäfts voraussichtlich bereits zum 1. August 2012
Vorzeitige vollständige Einbringung des Automobilgeschäfts von Porsche in den Volkswagen Konzern für rund 4,46 Milliarden Euro plus eine Volkswagen Stammaktie
Nettosynergien durch beschleunigte Integration in Höhe von rund 320 Millionen Euro werden hälftig zwischen beiden Unternehmen aufgeteilt
Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Martin Winterkorn: „Gut für Volkswagen, für Porsche und für den Industriestandort Deutschland“

5.7.2012 Wolfsburg – Die Volkswagen Aktiengesellschaft und die Porsche Automobil Holding SE (Porsche SE) schaffen den Integrierten Automobilkonzern durch die vollständige Einbringung des Automobilgeschäfts von Porsche in den Volkswagen Konzern voraussichtlich bereits zum 1. August 2012. Einem entsprechenden Konzept haben die zuständigen Gremien beider Unternehmen gestern zugestimmt. Damit wird der Integrierte Automobilkonzern von Volkswagen und Porsche rund zwei Jahre früher Realität, als es mit den in der Grundlagenvereinbarung vom August 2009 vorgesehenen Put-/Call-Optionen wirtschaftlich sinnvoll möglich gewesen wäre. Als Gegenleistung für die Einbringung der bisher noch nicht im Besitz von Volkswagen befindlichen 50,1 Prozent an der Porsche AG erhält die Porsche SE rund 4,46 Milliarden Euro und eine Volkswagen Stammaktie. „Die einzigartige Marke Porsche wird nun fester Bestandteil des Volkswagen Konzerns. Das ist gut für Volkswagen, für Porsche und für den ganzen Industriestandort Deutschland. Volkswagen und Porsche werden durch die Zusammenführung ihres operativen Geschäfts in Zukunft noch stärker – finanziell und strategisch. Wir können jetzt noch enger zusammenarbeiten und durch gezielte Investitionen in zukunftsweisende Produkte und Technologien gemeinsam neue Wachstumsmöglichkeiten im ertragsstarken Premium-Segment erschließen. Davon werden unsere Kunden, Mitarbeiter und Aktionäre profitieren“, erklärte Prof. Dr. Martin Winterkorn, Vorsitzender des Vorstands der Volkswagen Aktiengesellschaft.

Im vergangenen September hatten beide Unternehmen mitgeteilt, dass die in der 2009 abgeschlossenen Grundlagenvereinbarung (GLV) vorgesehene Verschmelzung von Volkswagen AG und Porsche SE nicht im vereinbarten Zeitrahmen bis Ende 2011 umsetzbar sein würde. Auch die in der GLV vorgesehenen Put-/Call-Optionen erlauben wegen ihrer steuerlichen Behandlung keine Integration des Automobilgeschäfts zu wirtschaftlich sinnvollen Bedingungen vor dem zweiten Halbjahr 2014. Vor diesem Hintergrund haben beide Unternehmen nach alternativen und für alle Beteiligten umsetzbaren Wegen gesucht, das gemeinsame Ziel des Integrierten Automobilkonzerns früher zu erreichen.

Das nun vereinbarte beschleunigte Integrationsmodell ist auf Basis des Umwandlungssteuergesetzes und des seit Ende 2011 veröffentlichten Umwandlungssteuererlasses sowie verbindlicher Auskünfte der zuständigen Finanzbehörden zu betriebswirtschaftlich sinnvollen Bedingungen umsetzbar. Nach der gemeinsam von den Unternehmen erarbeiteten Struktur wird die Porsche SE ihren operativen Holdinggeschäftsbetrieb einschließlich ihrer 50,1-prozentigen Porsche-Beteiligung in die Volkswagen Aktiengesellschaft einbringen, die bereits indirekt 49,9 Prozent an der Porsche AG hält. Nach Abschluss der Transaktion wird Volkswagen über eine Zwischenholding 100 Prozent der Anteile an der Porsche AG halten. Die Porsche SE erhält dafür eine Gegenleistung in Höhe von insgesamt rund 4,46 Milliarden Euro plus einer Stammaktie von Volkswagen. Die Barleistung basiert auf dem in der GLV fixierten Eigenkapitalwert in Höhe von 3,88 Milliarden Euro für die restlichen Anteile an der Porsche AG und beinhaltet darüber hinaus verschiedene Ausgleichsposten. Unter anderem werden der Porsche SE entgehende Dividendenzahlungen aus ihrem mittelbaren Anteil an der Porsche AG sowie die Hälfte des Barwerts der durch die beschleunigte Integration realisierbaren Nettosynergien vergütet, die sich auf insgesamt rund 320 Millionen Euro belaufen.

„Die beschleunigte Integration ermöglicht es, schneller mit der Umsetzung einer gemeinsamen Strategie für das Automobilgeschäft von Porsche zu beginnen, wichtige gemeinsame Projekte zügiger zu realisieren und so zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten in attraktiven Marktsegmenten zu realisieren. Sie erlaubt der Volkswagen AG und der Porsche AG zudem die volle Konzentration auf das operative Geschäft durch eine erhebliche Vereinfachung ihrer täglichen Zusammenarbeit“, erklärte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch.

Die Vollkonsolidierung des hochprofitablen Automobilgeschäfts von Porsche voraussichtlich ab dem 1. August 2012 wird einen positiven Einfluss auf das Konzernergebnis von Volkswagen haben. Im Operativen Ergebnis des laufenden Geschäftsjahres werden die anfänglich hohen Abschreibungen aus der sogenannten Kaufpreisallokation den Ergebnisbeitrag voraussichtlich weitestgehend ausgleichen. Infolge der Vollkonsolidierung des Porsche Automobilgeschäfts muss Volkswagen eine Neubewertung der bislang gehaltenen Anteile an der Porsche Zwischenholding GmbH zum Zeitwert vornehmen. Dies wird im laufenden Jahr, basierend auf den Bewertungsparametern zum 31. März 2012, zu einem deutlich positiven, nicht liquiditätswirksamen Effekt in Höhe von mehr als 9 Milliarden Euro im Finanzergebnis des Volkswagen Konzerns führen. Die Nettoliquidität des Konzernbereichs Automobile wird sich voraussichtlich um insgesamt rund 7 Milliarden Euro verringern: Neben der Barleistung in Höhe von rund 4,46 Milliarden Euro wird sich die erstmalige Konsolidierung der negativen Nettoliquidität der Porsche AG voraussichtlich in Höhe von minus 2,5 Milliarden Euro im Volkswagen Konzern liquiditätsmindernd auswirken.

„Wir gehen einen für alle Stakeholder nachhaltig vorteilhaften und strategisch sinnvollen Weg, sorgen für Klarheit über die künftige Entwicklung und schaffen die Voraussetzungen für eine zügige Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Volkswagen und der Porsche AG. Für Volkswagen sind darüber hinaus die Solidität unserer Finanz- und Liquiditätslage sowie die Aufrechterhaltung unseres guten Ratings wichtig“, so Finanzvorstand Pötsch weiter.

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